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April 20

Der Frühling

Nachdem ich über Ostern zuhause war und eine sehr schöne Heimat-Woche hatte, bin ich wieder zurück in Schweden. Natürlich war die Woche viel zu kurz daheim und ich konnte einen Bruchteil davon, was ich gerne machen wollte, unternehmen. Beim Rückflug gab es beim Landeanflug auf Stockholm einen eher unangenehmen Zwischenfall. In der Reihe hinter mir saßen drei Wiener - sie haben während des ganzen Fluges eigentlich nur dumm dahergeredet und angegeben. Als es in den Landeanflug ging, hat sich einer übergeben. Der hat danach echt lustig ausgesehen - war von oben bis unten nass! Unangenehm war dann leider auch die Luft im Flugzeug - der Geruch war echt schrecklich. Zum Glück hat war es nicht mehr allzu lange bis zum Flughafen.
Hier ist alles beim alten. Das Wetter spielt nur teilweise mit. Frühlingshafte Temperaturen gab es leider noch viel zu selten. Gestern in der Nacht (vom 19.-20. April) hat es sogar wieder geschneit. Ja, es ist immer noch arschkalt hier. Kanns gar nicht erwarten ins tropische Österreich zurückzukehren. Ich werde mich sicher nie wieder beklagen wenn es in Österreich im Frühling nicht 20 Grad hat. Was würden da die Schweden sagen. Wenigstens konnten wir jetzt schon einge Male den Griller anwerfen. Einige Spanier wollten es auch schon richtig wissen und sind in den See reingesprungen. Das Wasser war echt noch richtig kalt. Aus Franco wurde Francesca und aus Juan wurde Juanita ;-)
Auf den Parties geht es meistens richtig zur Sache. Vorallem die Franzosen geben zurzeit richtig Gas. Das liegt wohl daran, dass ich ihnen eine Flasche 80% Österreichischen Rum und eine Flasche Marillenschnaps geschenkt habe. Das Zeug war extrem grauslich, doch ihnen hat es geschmeckt - wohl bekomms. Sie waren aber dann meistens die einzigen die richtig aufs Gas drückten - die anderen hatten schon Spaß genug ihnen dabei zuzusehen. Das war Unterhaltung pur!
Letzte Woche habe ich einen Stadtrundgang mit meiner schwedischen Mentoren (Gunilla) gemacht. Sie kennt sich allerdings noch weniger aus in Stockholm als ich. Ich habe ihr dabei einiges über die Geschichte der Stadt erzählt und einige Sehenswürdigkeiten gezeigt. Naja, sie lebt jetzt auch erst seit ca. einem Jahr in der Stadt (ist aus dem Norden) und hat außer ihrer Wohnung und der Universität vielleicht noch einige Bars kennengelernt - sonst wohl eher wenig. War trotzdem ein sehr netter Nachmittag und eine Abwechslung zu den anderen Exchange-Studenten - allerdings halt auch nichts neues. Der Anschluss an andere Studenten (außerhalb unseres Erasmus-Kreises) und Schweden gestaltet sich leider aufgrund unserer sehr ländlichen Unterbringung äußerst schwierig. Daher kann man schon von sowas wie Erasmus-Krankheit sprechen. Wir sind halt immer mit den selben Leuten unterwegs.
In den Kursen gehts auch schon in den Endspurt. Ich habe in 2 Wochen in Rhetorics noch eine Rede zu halten und danach ist es geschafft (einige kleine assignments außerdem noch). Mitte Mai kommen mich dann Jürgen und Thomas besuchen. Bis dahin wird es hoffentlich schon um einiges wärmer sein.
Ende Mai kommen dann Silvia, Evelyn und Alex. Nach einer gemeinsamen Woche in Stockholm werde ich dann mit Silvia noch eine Schwedenrundreise machen. Das wird sicher ein fantastisches Erlebnis. Der Norden besteht ja noch aus unberührter Natur. Das wird also der krönende Abschluss meines Schwedenaufenthalts. Wie es aussieht, wird das auch das einzige Mal sein, dass ich etwas weiter rauskomme aus Stockholm.
Nächstes Monat gehts vielleicht nochmal auf einen Boat-Trip. Zurzeit gibt es super günstige Angebote und wenn das Wetter mitspielt, dann kann so ein Trip sicher sehr lustig werden....
 
 
 
 
March 13

Das große Erwachen!

Nun ist er doch da, DER FRÜHLING! etwas verspätet, aber egal. Die ersten wärmeren Sonnentage entschädigen schon für einiges. Denn ein Sonnentag hier ist viel schöner als gewöhnlich- ein absolut dunkelblauer Himmel kann schon entzücken.  Die Temperaturen sind noch etwas verbesserungswürdig, wird aber auch nicht mehr lange dauern.
Die Stadt ist der Wahnsinn, sie hält was sie verspricht. Es gibt sehr viele Kanäle und Wasserstraßen überall, die Stadt liegt ja auch direkt am Meer. Außerdem gibt es auch jede Menge schöne Parkanlagen. Stockholm wird jetzt richtig lebendig - freue mich schon auf den Sommer hier!
Die Fotos sind von meinem Stadtrundgang letzte Woche. War echt traumhaft schön.
 
 
 
March 06

Schnee, Schnee und Schnee

Während zuhause die ersten Blumen blühen, ist es leider hier im Norden immer noch sehr kalt. Letztes Wochenende machten einige besonders Mutige einen Ausflug an einen zugefrorenen See (die Eisschicht ist mind. einen Meter dick) ganz in der Nähe. Der See war ziemlich groß und daher sind für die Schlittschuhläufer an den "Kreuzungen" auch Wegweiser angebracht - man könnte sich ja sonst echt verlaufen. War außerdem ein Rießenspaß wiedermal den Hang runter zu rodeln (es gab auch einen kleinen Schilift und einige Rodelhänge dort). Die Franzosen sind dabei total ausgeflippt - als ob sie noch nie Schnee gesehen hätten. Die sind echt den ganzen Nachmittag nur den Hang runtergekullert. Die meisten von ihnen hatten halbhohe Sportschuhe und nur eine Trainingshose an - die waren dann sehr froh als wir in die warme Hütte gingen. Die Plätze um das offene Feuer waren natürlich sehr begehrt. An diesem See ist es sicher auch im Sommer wahnsinnig schön. Etwas über dem See liegen jede Menge idyllische Grillplätze und schön angelegte Feuerstellen (Vorfreude ist natürlich riesig!!!). Zurzeit heißt es da aber noch ein bisschen warten. Aber immerhin hatten wir ja letzte Woche schon Plusgrade, da kann der Sommer doch nicht mehr lange auf sich warten lassen ??? oder ???
Was sich bei unserem Partyleben so tut, das könnt ihr ja auf den Fotos sehen. Vor allem die Mexikaner ziehen jeden Tag los - die haben echt eine Ausdauer - Wahnsinn. Die fühlen sich auch richtig wohl hier obwohl es so kalt ist. Das ist ihnen richtig egal, da es für sie das erste Mal ist, dass sie nicht zuhause sind - Feiern also das erste Mal sowas wie Freiheit und Unabhängigkeit. Und die können schon richtig gute Parties feiern. Jaja, wenn die Mama das wüßte...
Einige (vor allem die Mexikaner und Franzosen) hatten auch von unserem letzten Boat-Trip nach Helsinki eindeutig nicht genug. Die fahren jede Woche mit einem Schiff irgendwo hin, manchmal auch 2 mal die Woche. Das Ausflugsziel ist dabei eher nebensächlich - jetzt sehe ich auch eine höhere Bedeutung in dem Satz "Der Weg ist das Ziel". Zur Zeit reizt mich das aber eher nicht - vielleicht im Frühling nochmal, wenn man die Städte dann auch bei gemütlicheren Temperaturen besichtigen kann. In einem Monat werde ich dann eh schon einen "Ausflug" nach Österreich machen. Hoffe, dass es dann schon richtig warm sein wird. Bis dahin werde ich mich noch mit den kalten Temperaturen begnügen müssen und hoffe, dass ich die vor kurzem gekauften Schlittschuhe noch ein paar mal verwenden kann.
February 16

Finnlandausflug

Letzte Woche haben mich Dany und Regina aus Finnland besucht. War sehr schön wieder jemanden von zu Hause zu treffen. Leider hatten wir nicht viel Zeit, da ich schon nächsten Tag selbst eine Schiffreise machte. Am Freitag sind wir (32 Exchange-Studenten) mit einem Schiff in Richtung Helsinki aufgebrochen. Die Reise stand natürlich im Vordergrund und nicht der Aufenthalt in Finnland! (Fotos sind ja eh schon zu betrachten). In Helsinki war es leider a....kalt. Da hatte es so ca. -20 Grad und obwohl es ein schöner Sonnenschein-Tag war, wollten wir den Aufenthalt dennoch eher kurz halten. Helsinki ist eine schöne Stadt mit viel russischem Einfluss. Aber das Flair von Stockholm geht da schon sehr ab, da kann Helsinki weit nicht mithalten. Bei der Rückfahrt von Samstag auf Sonntag ging die Party natürlich weiter, allerdings nicht mehr für alle. Einige sind da wohl am Vortag zu intensiv unterwegs gewesen und daher dann am 2. Tag total ausgefallen.
Am Mittwoch gab es einen offiziellen Empfang in der Stockholmer City Hall (=Hofburg in Österreich). Alle Exchange Students aller Universtitäten waren zu einem großen und guten Buffet eingeladen worden. Das war echt ein interessantes Multi-Kulti-Treffen. Zum Glück war die Ansprache sehr kurz! Hat eh keinen interessiert was der zu sagen hatte - Hauptsache das Buffet und die Weinbar wurden geöffnet. War dann eine gemütliche und angenehme Stimmung. Nur leider war es nach 1,5 Stunden auch schon wieder alles vorbei. Und da wir schon mal in der Innenstadt waren, lag es natürlich auf der Hand, dannach noch auszugehen. Am Mittwoch findet ja jede Woche in der Stockholmer Universität immer eine Party statt (günstig und gute Stimmung). Bin aber schon sehr früh heim, da diese Woche zur Abwechslung mal lernen angesagt ist.
 
Zu Ostern werde ich eine Woche nachhause kommen. Habe gestern den Flug gebucht! :-) Freue mich schon sehr darauf! Bis bald!
February 02

Die ersten beiden Wochen in Schweden

Leben in Schweden

 

Die ersten zwei Wochen sind nun schon fast vorüber. In der Stadt war ich leider bis jetzt nur immer während der Nacht - @ partying J - und bei einer kleinen Stadtrundfahrt mit dem Bus konnte ich auch einiges sehen. Freue mich schon auf den Frühling und auf lange Spaziergänge in Stockholm, da die Stadt echt superschön aussieht.

Die Leute sind durchaus freundlich und nett. Mir kommt es so vor, als ob die Schweden eine sehr ausgeprägte Diskussionsmentalität haben. Es soll jedem so gut wie möglich gehen und alles recht gemacht werden. Das soziale Verhalten und Zusammenleben kommt mir besser vor als in Österreich. Bei uns wird ja eher von oben herab entschieden. Hier wird sogar der Premierminister von Reportern und Schülern mit dem Vornamen angesprochen. Die Gleichberechtigung ist wohl kaum woanders so ausgeprägt als in Schweden.

 

Weitere Eigenschaften, die mir spontan zu den Schweden einfallen sind:

-         extreme Pünktlichkeit (steht an oberster Stelle!)

-         Introvertierte Körpersprache und Temperament

-         Offen für verschiedene Meinungen und Ansichten

-         Absolute Gleichberechtigung (es gibt sogar extra einen Studentenclub für Homosexuelle; wäre wohl in Österreich eher eine Lachnummer)

-         Respekt anderen gegenüber

-         Sehr gutes Englisch (im Fernsehen ist alles auf Englisch mit schwedischem Untertitel); egal welche Schicht – jeder spricht perfektes Englisch – werde daher auch nicht Schwedisch lernen sondern Englisch verbessern in einem Rhetoric-Kurs

-         Umweltschutz steht auch an einer der vordersten Stelle

-         Absolut anderes Studiensystem -> es ist toll, würde ich sofort für Österreich empfehlen.

 

Und hier noch die 3 wichtigsten Worte, mit denen sich die Schweden identifizieren:

 

1.      Midsommar größtes Fest in Schweden Ende Juni; da soll richtig die Post abgehen; jedem Schweden glühen die Augen wenn man dieses Wort erwähnt; bin aber leider nicht mehr da! L

2.      Lagom: ist sehr schwierig zu erklären; können nicht einmal Schweden genau beschreiben. Es beschreibt eine Art Lebenseinstellung/-philosophie um glücklich zu sein und würde übersetzt soviel wie “angemessen” oder “genau richtig (viel)” bedeuten. Es kommt meist im Zusammenhang mit Mengenangaben vor. Schweden sind oft maßvoll, wenn man ihnen etwas anbietet und wollen weder zu viel noch zu wenig – eben lagom viel (die goldene Mitte)

3.      Allemansrätt: (Jedermannsrecht): Schwedisches Recht zum Gemeingebrauch der Natur; jeder kann sich frei in der Natur (Wälder, Seen, Parks,…) bewegen. So etwas wie Privatgrund gibt es hier nicht (außer rund um die Häuser natürlich). Es ist hierbei auch fast alles erlaubt was sich unter normalen Gebrauch versteht (Pilze und Beeren pflügen, Baden gehen, Fischen, Picknick machen,…) Natürlich gibt es da auch Grundsätze wie: nicht stören, nichts zerstören keinen Müll hinterlassen,…

 

Was mich bis jetzt ein bisschen stört, ist, dass ich leider der einzige Österreicher bin. Ansonsten kommen die Leute von überall, hauptsächlich Spanier, Deutsche, Franzosen und Mexikaner – aber wie gesagt –von überall außer aus Österreich. Wir wohnen alle im selben Studentencampus; die meisten sogar im selben Haus. Klar, dass es da jeden Tag Partys gibt. Ist allerdings nicht so toll, wenn 3 stockbesoffene Franzosen um 4.00 Uhr heimkommen und über eine Stunde französische Lieder lallen und an jede Tür hämmern.

Die Mexikaner sind richtig gut drauf. Schieben immer einen lockeren Spruch und haben seitdem sie da sind nur gefeiert. Sie nehmen es mit der schwedischen Pünktlichkeit auch nicht so genau (mas o menos un hora). Sind auch extrem gute Fußballer. Wir haben am Wochenende ein Spielchen in der Turnhalle hier gemacht und die haben echt was drauf. Die Halle ist toll, optimal zum Kicken (je 4 Feldspieler) und hat auch ein Fitnessstudio dabei, welches wir kostenlos nutzen können. Generell ist die Anlage hier sehr schön eingerichtet, super zum Joggen und im Sommer zum Grillen,… Sie ist nur leider etwas weit weg von der Stadt (40 min mit den öffent. Verkehrsmittel). Und nachts, wenn man von der Stadt heimkommt, gehen die letzten Busse zurück schon um 0.30. Das ist ein bisschen blöd – aber sobald es wärmer wird bekommen wir ein Fahrrad kostenlos zur Verfügung gestellt, und dann ist auch dieses Problem gelöst. Jetzt müssen wir uns halt mit nicht sehr günstigen Taxis begnügen.

 

Das Niveau der Schule ist zwar hoch aber zu bewältigen. Auffallend ist, dass das Verhältnis weiblich:männlich etwa 70:30 ist. Wahrscheinlich kommt es daher, dass an der Schule keine technischen Fächer unterrichtet werden (es gibt extra eine technische Hochschule). Ich habe zum Glück alle Kurse bekommen, die ich wollte und werde somit voraussichtlich Mitte Mai fertig sein. Danach werde ich vermutlich noch ein paar Wochen anhängen und hier bleiben.

 

Bis jetzt ist also alles toll! Es kann gerne so weiter gehen! (Heute findet außerdem eine Megaparty am Schulcampus statt - J ) – Freue mich schon!!!

January 23

Kontaktdaten

Telefonnummer:             +46 (0)73 721 80 33       
 
 
skype: aigi25
 
Anschrift für Geldpakete und dringend benötigte Biersendungen:
me @ Kanslivägen 9/07, 14639 TULLINGE, SWEDEN
 

Anreise nach Stockholm

Die Anreise stand leider noch ganz unter dem Zeichen des Orkans. Die ursprüngliche Abfahrt war am Do, 18.01 geplant, doch als ich am frühen Morgen die Nachrichten sah, entschied ich mich spontan doch lieber zuhause zu bleiben und noch mindestens einen Tag zu warten. Es wurde immerhin eine meterhohe Sturmflut für den Norden Deutschlands und für Dänemark angesagt und mit der Vorhersage über die Windgeschwindigkeiten und über das Ausmaß lag der Wetterbericht im Großen und Ganzen sehr richtig. Ich war also letztendlich sehr froh, nicht gefahren zu sein.

Nachdem sich der Sturm und die Aufräumarbeiten gelegt hatten bin ich dann am Samstag, 20.01. sehr um ca. 6.30 mit voll gepacktem Auto abgefahren. Vor allem in den Morgenstunden war kaum Verkehr und die ersten 3-4 Stunden kam ich sehr gut voran. Nach der ersten größeren Pause zur frühen Mittagszeit in der Nähe von Berlin verschlechterte sich allerdings das Wetter zunehmend. Die Windböen wurden von Minute zu Minute heftiger und im Radio wurde ständig gemeldet, dass mit starken Orkanböen zu rechnen sei. Als dann auch noch heftigster Regen einsetzte, wurde es immer schwieriger zu fahren. Die Sichtweite war gerade mal noch 40-50 Meter und einige Wahnsinnige sind trotzdem mit 180-200 km/h trotz stehendem Wassers auf der Fahrbahn und extremer Aquaplaning-Gefahr vorbeigeschossen. Kurz vor Hamburg hat es dann glücklicherweise zu regnen aufgehört, der Wind wurde allerdings immer stärker und ich befürchtete immer mehr, dass der Fährverkehr eingestellt wird, da im Radio immer wieder von Windstärke 12 (Böen bis ca. 120 km/h) an der Küste gesprochen wurden und einige Fährgesellschaften/-häfen den Verkehr bereits eingestellt hatten. Als ich dann um ca. 16.30 in Puttgarden (ganz im Norden der BRD) ankam verlief dort eigentlich alles sehr schnell. Am Ende der Straße befindet sich eine „Mautstation“ und ca. 10 min später parkte ich das Auto schon an Bord. Während der Überfahrt ist man an Bord ganz gut aufgehoben. Es gibt mehrere Cafes, Sitzmöglichkeiten und kleine Geschäfte. Um 17.30 kam ich dann in Rödbyhavn in Dänemark an.

 

Hier hatte ich dann leider sehr viel Pech. Von allen PKWs wurde ich als einziger aus der gesamten Kolonne zur genauen Überprüfung ausgewählt . Das lag wahrscheinlich am Kennzeichen. Die Polizisten haben erst einen zweifelhaften Blick aufs Nummernschild gemacht bevor sie überhaupt etwas sagten. Ich musste auf eine Hebebühne in einer kleinen Halle zur Inspektion. Zuerst haben die fast das ganze Auto ausgeräumt und dann einen Drogenköter rein gelassen. Nachdem sie sämtliche Taschen und meine Toilettsachen durchstöbert hatten durfte ich wieder einräumen und weiterfahren. War eine Routinekontrolle und die Polizisten waren auch sehr freundlich. Ich lag zu diesem Zeitpunkt immer noch ganz gut in der Zeit. Mein Ziel für diesen Tag war das erreichen von Malmö und das war immer noch durchaus realistisch. Die Autobahn in Dänemark war fast wie ausgestorben. Da kommt alle 10 min ein Auto entgegen und in meiner Fahrtrichtung war ich überhaupt der einzige. Nach einer Stunde habe ich nochmals wegen menschlicher Bedürfnisse an einer Autobahnstation angehalten. Und da wars richtig unheimlich. Die Raststätte lag etwas abgelegen vom Highway und war rundherum von Wald umgeben. Der Wind hatte nicht nachgelassen sondern nochmal zugelegt. Die ganze Strecke verläuft ja in Küstennähe und als ich ausstieg hat es mich fast umgerissen. Die Parkplätze waren gut 500 m vom Gebäude entfernt und weit und breit war da im Finsteren weder eine ausreichende Beleuchtung noch sonst etwas. Aber einige Red Bull und jede Menge Wasser müssen ja irgendwann raus und bei dem Wind wäre es im Freien sicher zu einem Unglück gekommen. Ich war echt heilfroh als ich da wieder im Auto saß und wenig später wieder auf der Autobahn war.

Leider bekam ich an der Raststation auch die schlechte Nachricht, dass die Öresundbrücke (einzige Verbindung zwischen Kopenhagen/DK und Malmö/S) wegen des heftigen Windes bereits geschlossen wurde. Also habe ich mich entschieden in Kopenhagen zu bleiben – das macht eigentlich nur wenig Unterschied. Ich bin in der letzten Stadt vor Kopenhagen abgefahren und habe mich auf Hotelsuche begeben. Doch an jeder Tankstelle wurde nur gesagt, dass sich in der Nähe kein Hotel befindet. Also war ich dann etwa eine Stunde unterwegs als ich ein Motel-Schild erblickte und nach dem anstrengenden Tag war ich doch heilfroh endlich eine Schlafgelegenheit gefunden zu haben. Unten war ein sehr nobles Restaurant und darüber lagen mehrere Zimmer. Es sah also von außen sehr ahnsehnlich aus. Ich staunte nicht schlecht als ich den Preis für eine Nacht erfuhr – 90 Euro – aber egal – Hauptsache ein Bett. Ich bezahlte und ging aufs Zimmer. Um ca. 22.00 Uhr lag ich also endlich im Bett und dachte nur noch ans Einschlafen als ich plötzlich die Töne aus dem Badezimmer richtig wahrnahm. Die dürften da bei der Konstruktion auf ziemlich harten Drogen gewesen sein. Man konnte nämlich den Wind durch eine Lücke/Lüftung extrem laut hören. Und da der Wind sehr stark war, dachte ich, mitten im nächsten Hurrikan zu sein. Entgegen meines Willens schleppte ich mich noch mal auf und wollte ins Restaurant noch mal zur Rezeption gehen um das zu reklamieren (schlafen war da absolut nicht möglich – nicht einmal mit Ohropax). Doch das Restaurant hatte um 22.00 Uhr dicht gemacht und um eine andere Schlafgelegenheit zu suchen fehlte dann doch meine Motivation. -> WICHTIGER TIPP für die Zukunft: Zimmer immer zuerst kurz besichtigen und dann erst bezahlen! – so was passiert halt einmal – und dann hoffentlich nimmer.

Habe also alles versucht um irgendwie schlafen zu können: Fernseher laut eingeschaltet um den Hurrikan im Bad zu übertönen – doch das war dann insgesamt natürlich auch nicht leiser aber ich dachte vielleicht beim Fernsehen einschlafen zu können – zugegeben – eine Schnapsidee. Irgendwann nach Mitternacht bin ich dann eingeschlafen, doch der Straßenverkehr und die Windgeräusche ließen keinen richtigen Schlaf zu und nach weiteren 2 Stunden wach liegen habe ich mich zum weiterfahren entschieden.

Bin also am Sonntag um 5.30 aufgestanden und eine halbe Stunde später war ich wieder auf der Straße. Die Brücke war geöffnet und um ca. 7.30 war ich endlich in Schweden. Die Autobahn ist hier noch leerer als in Dänemark. Ringsum befinden sich hier nur endlose Wälder und andere Verkehrsteilnehmer waren in den ersten Stunden äußerst selten zu sehen. So kam ich sehr schnell voran und ich rechnete damit zu Mittag in Stockholm zu sein (Unterrichtbeginn war 12.00 Uhr). Doch zunehmend aufkommender Wind und Regen ließen mich schon wieder schlimmeres befürchten. Außerdem sind die Temperaturen auch sehr rapide gesunken. So kam es dann, dass der Regen zu Schnee überging und ich mitten im Nirgendwo mitten in einen Schneesturm kam. Heftige Sturmböen und Sichtweiten von ca. 30-50 m erschwerten auch hier wieder das Vorankommen erheblich. Der Verkehr nahm in diesem Streckenabschnitt auch immer mehr zu. Das lag wahrscheinlich daran, dass der Vormittag hereingebrochen war und ich mich immer weiter den größeren Städten vor Stockholm näherte. Die letzten 400-450 km vor Stockholm wurden noch mal eine richtige Tortur für mich. Die Straße war fast ausschließlich von dichtem Schneematsch bedeckt und im 15-min-Takt stand ein LKW oder ein PKW neben der Straße im Feld oder lag in der Abzäunung neben der Fahrbahn. Einige Male war es echt brenzlig und die Situation wollte sich auch nach einigen Stunden nicht wirklich bessern. Es hat zwar zwischendurch auch zweimal fast aufgehört zu schneien aber die Straße war trotzdem durchgehend sehr schlecht befahrbar.

Um ca. 14.00 hatte ich dann endgültig mein Ziel Stockholm–Huddinge vor Augen. Die Verkehrsschilder waren zu diesem Zeitpunkt wegen dem dichten Schneefall nur noch selten einwandfrei lesbar. Ich hatte mir zum Glück einen guten Anfahrtsplan ausgedruckt und hatte dann auch bei der Auswahl der Abfahrt und der weiteren Strecke einiges Glück. Es dauerte nicht mehr lange und stand vor meinem Ziel: „Södertörns Högskola“. Die Erleichterung war riesig als ich ausstieg und das Gebäude betrat. Nach einigen einführenden und bürokratischen Infos und Tätigkeiten gab es noch ein kurzes Kennenlern-Fest mit Essen und Gesellschaftsspielen. Doch nachdem ich mir den Weg zum Heim aufzeichnen und beschreiben ließ bin ich dann sehr bald von dort aufgebrochen. Eigentlich sollte Strecke zur Heimanlage leicht zu finden sein. Doch leider waren zu diesem Zeitpunkt gar keine Straßenschilder mehr zu lesen und die Straßen in dieser Gegend sind alle ausschließlich von Wald umgeben. Sehr bald erkannte ich also, dass ich mich total verfahren hatte. Ich begann daher entgegenkommende Fahrzeuge aufzuhalten und zu fragen wo ich bin und ob sie wissen wie ich an mein Ziel komme. Hier hat sich herausgestellt, dass die Schweden sehr hilfsbereit sind. Jeder den ich gefragt habe hat versucht mir zu helfen. Und nach ca. einer weiteren halben Stunden teilweise konfuse und ziellose Suche bin ich dann doch beim Heimgelände angekommen. Es ist ein großes Gelände mit unzähligen Häusern. Keine Ahnung wofür die alle genutzt werden. Einige davon sind halt zu Studentenheimen umgebaut worden.

Das Zimmer ist modern, geräumig und absolut in Ordnung. Außerdem ist es auch ausreichend eingerichtet. Den Großteil meiner Sachen habe ich noch ausgeräumt und um 22.00 lag ich dann bereits im tiefsten Schlaf und träumte von herum springenden Elchen und Rentieren.

 

Diese beiden Tage waren also sehr anstrengend, aber es war auch ein Abenteuer und eine Erfahrung. Ingesamt musste ich schon an meine körperlichen und vor allem geistigen Grenzen gehen. Vor allem mein Nervenkostüm wurde sehr unter Mitleidenschaft gezogen. Aber wenn man nie an seine äußersten Grenzen geht, dann weiß man auch nicht was zu leisten man im Stande ist!